Den Ton angeben

05.08.2011

Eine neue Flotte von Cat Baumaschinen hat bei der Rohstoffgesellschaft Ponholz Einzug gehalten

Maxhuette (SR) 

Vor 18 Millionen Jahren sah die Landschaft in Ponholz bei Regensburg noch anders aus: In den Sümpfen der Oberpfalz tummelten sich Krokodile und Säbelzahntiger. Von der Oberfläche sind sie bekanntlich längst verschwunden – ihre Relikte finden sich jedoch bis heute: in einer der größten Tongruben Europas, die damals ein Flussdelta war. Darin sammelten sich Tonmaterialien bedingt durch starke Niederschläge. Der Regen führte auch riesige Baumstämme mit sich – von den Säuren im Sumpf wurden diese zusammen mit der übrigen Flora und Fauna größtenteils aufgelöst. Zurück blieben Braunkohle und Blautone in wechselnden Schichten. Deren selektiver Abbau erweist sich für die Rohstoffgesellschaft Ponholz heutzutage als wichtiger Rohstoff.
„So einen hochwertigen Rohstoff, wie den Blauton hier, findet man nur noch an wenigen Lagerstätten in Europa in dieser Qualität, wie etwa in Westfrankreich, in Polen oder in Tschechien“, ist der Geschäftsführer Rolf Krawczyk überzeugt. Seit 1942 wird in Ponholz das Blautonvorkommen abgebaut. Gebrannt wird der Rohstoff in einer Sinteranlage. Beim Brennen entweicht Wasser und es entsteht feuerfeste Schamotte. Damit werden etwa Schmelzöfen in der Stahlindustrie ausgekleidet. Eingesetzt werden die Produkte in der Umwelt- und Filtertechnik sowie bei der Gasreinigung. Das Unternehmen zählt zu Europas zweitgrößtem Hersteller von Stückschamotte und darf sich mit dem Titel „größter Produzent von Leichtschamotte“ schmücken. Diese findet sich etwa in Aquarien und Teichen, wo sich Mikro-organismen in deren Poren einnisten können, Algen auffressen und den Teich oder das Aquarium vor dem Umkippen bewahren, aber ebenso in feuerfesten Massen und Steinen.
Die jährliche Nutzförderung macht ein Drittel der Gesamtfördermenge von rund 600 000 Tonnen aus. Die Tonvorräte reichen die nächsten Jahrzehnte und erstrecken sich zwischen Regensburg und Schwandorf in den drei Gruben Auhofweiher, Teublitz und Rohrhof II. Vor einigen Wochen hat eine neue Cat Flotte Einzug im Abbau gehalten.
Mit einem Tieflöffel schält einer der beiden neuen Cat Kettenbagger 324DLN Tonschicht für Tonschicht in der Ponholzer Grube ab und belädt damit drei knickgelenkte Dumper vom Typ Cat 730. Diese bringen den Ton zu Bunkern, wo er bis zur Weiterverarbeitung eingelagert wird. Der Betrieb ist ganzjährig ausgelegt – die Produktion läuft an sieben Tagen rund um die Uhr in drei Schichten. Zwar reichen die eingelagerten Vorräte mehrere Tage lang, doch die im Tonabbau eingesetzten Maschinen müssen kontinuierlich Material heranschaffen. Und dieses hat es in sich – allein äußerlich weisen unterschiedliche Farben des kaolinthischen Tons auf verschiedene Eigenschaften des Materials und dessen mineralische Zusammensetzung hin. „Ton ist nicht gleich Ton. Es gibt hier fette, sprich feinteilige Tonschichten mit einem hohen Mineralanteil und es gibt hier magere Tonschichten. Allerdings verfügen wir hier über ein Vorkommen von ganz besonders hoher Qualität mit wenigen Störstoffen, das deswegen die verschiedensten Abnehmer hat. Einzigartig ist unser Material aufgrund des hohen Aluminiumoxidgehalts. Dieses sorgt für eine hohe Plastizität“, erklärt Krawczyk.
Eine weitere Besonderheit in der Tongrube Ponholz ist die weiße Lasse, Sedimente von vulkanhaltiger Asche, die auf einen Vulkanausbruch im Balkangebiet zurückgehen und deren Ansammlung durch die ganze Grube verläuft. Diese müssen fein säuberlich von den verschiedenen Tonschichten getrennt werden, wenn diese in den Mulden landen. Das Gleiche gilt für die Braunkohle. Deren Schichten ziehen sich ebenfalls durch die Blautonlagerstätte. Sie wird längst nur noch zum Eigenbedarf abgebaut. Das sah Anfang des 19. Jahrhunderts noch ganz anders aus, als mit dem Beginn der Industrialisierung entsprechend hohe Erwartungen mit der Braunkohleförderung am Standort der Maxhütte verbunden waren. Mit der Bayerischen Überlandcentrale und der Inbetriebnahme des Ponholzer Braunkohlekraftwerks sollte damit Strom für die Oberpfalz erzeugt werden. Auch im Zweiten Weltkrieg waren Rohstoffe wie Braunkohle gefragt, deren großflächiger Abbau in den sechziger Jahren zu Ende ging. In den fünfziger Jahren wurden Rohre für Kamine und Kanäle hergestellt – die Produktion von Steinzeug wurde vor zehn Jahren eingestellt. Übrig blieb der Tonabbau und die Herstellung von Schamotte.
Um ein homogenes Mischungsverhältnis beim Ton zu erreichen, werden die beiden Cat Bagger immer wieder in den Gruben umgesetzt. Nur so ist garantiert, dass sie verschiedene Tonsorten aufnehmen können. Damit die Rohstoffgesellschaft Ponholz die unterschiedlichen Qualitäten fördern kann, erfolgt der Abbau selektiv. Um eine Tonne Ton zu fördern, müssen zwei bis drei Tonnen Abraum beseitigt werden. Um den Abraum und die Rückverfüllung kümmert sich ein neuer Cat Dozer D6T, der das Material verteilt. Eine weitere Cat Raupe, ebenfalls eine D6, ist zusammen mit einem Cat Radlader 928 bei der Muttergesellschaft des Unternehmens, der Teublitzer Ton GmbH, im Einsatz. Zusätzlich nutzt die Rohstoffgesellschaft Ponholz einen Cat Radlader 930G mit Hochkippschaufel, um so auch Lkw mit hohen Bordwänden beladen zu können.
Die Auswahl der eingesetzten Baumaschinen erfolgt nach strikten Kriterien. „Alle Maschinen sind aufeinander abgestimmt. Daher muss das Maschinenkonzept ineinandergreifen“, lautet die Forderung von Krawczyk. Dabei gilt es, stets das Maximum an Wirtschaftlichkeit im Ab¬bau sowie in der Produktion im Auge zu behalten und gleichzeitig die technischen Gegebenheiten des Standorts zu berücksichtigen. Sie sind schließlich ein limitierender Faktor, so der Geschäftsführer. Wenn der Dumper seinen geladenen Ton in den Materialboxen abkippt, dann darf seine ausgefahrene Mulde mit ihren 6,5 Metern nicht an das Dach der offenen Halle stoßen. „Diese Engstelle gibt mit ihrer Höhe von knapp sieben Metern die maximale Gerätegröße vor. Daher können wir nur Transportgeräte wie die Cat Dumper 730 mit 28 Tonnen einsetzen“, erläutert Krawczyk. Die Wahl der Dumpergröße hat wiederum Einfluss auf die Ladegeräte.
Muldenkipper kommen in Ponholz aufgrund der Bodenverhältnisse nicht infrage, denn der Abbau erfolgt das ganze Jahr über. Selbst schlechte Witterungsverhält¬nisse dürfen den Tontransport nicht beschränken. Daher können nur Dumper mit ihrem Knickgelenk und Allradantrieb das unwegsame Gelände samt Steigungen überwinden, ohne dass sie steckenbleiben oder ihre Leistung einbüßen. „Muldenkipper wären schlicht zu schwer und unbeweglich und kämen die Steigungen erst gar nicht hoch. Die Dumper haben sich seit Jahren hier bewährt und konnten in ihren Kippeigenschaften überzeugen. Das normalerweise stark anhaftende Material bleibt in den Mulden nicht kleben, sodass die Geräte volle Ladeleistung bieten und rund 17 Kubikmeter Ladevolumen fassen können“, so Krawczyk. Damit die Wege gut in Schuss sind und befahrbar bleiben, übernimmt der Cat Dozer die Wegepflege und sorgt so für einen sicheren Zustand der Fahrbahn.
Feste Stammfahrer bewegen die eingesetzten Baumaschinen. Und das hat seinen Grund: „Der Fahrer achtet darauf, dass sein Arbeitsplatz funktioniert, gepflegt und sauber ist“, äußert sich Krawczyk. Vor der Inbetriebnahme der neuen Cat Flotte wurden die Mitarbeiter von der Zeppelin Abteilung Projekt- und Einsatztechnik in die neue Technik eingewiesen. „Uns geht es nicht darum, Fahrer, die schon seit etlichen Jahren in ihrem Job sind und wissen, wie sie mit Baumaschinen umgehen müssen, zu schulen, sondern sie sollen dabei ein paar Tipps bekommen, wie sie mit einfachen Tricks und Kniffen den Kraftstoffverbrauch reduzieren“, erklärt Frank Kranich, Zeppelin Einsatztechniker. Jeder Fahrer hat seine eigene Maschine, denn dies – so bestätigt der verantwortliche Grubenleiter Wilhelm Dickert - schafft eine enge Bindung an das Gerät und jeder fühlt sich für die Maschine verantwortlich.
Abgeschlossen wurden für alle Cat Geräte Full-Service-Verträge. „Damit sind wir aus dem Schneider. Der Service von Zeppelin, ausgeführt von der Niederlassung Straubing, ist einwandfrei. Im festen Turnus werden die Geräte gecheckt und überprüft“, so Krawczyk. Dabei werden in festen Abständen Ölproben von den Maschinen gezogen und dann von dem Zentralen Öllabor untersucht, das die Zeppelin Baumaschinen GmbH in Garching bei München unterhält. „Regelmäßige Ölproben sind eine gute Absicherung. Schließlich dienen sie der Selbstkontrolle und machen uns deutlich, worauf wir achten müssen, wenn beispielsweise ein erhöhter Abrieb oder ein Wassergehalt festgestellt wurde. Somit können wir rechtzeitig Ursachenforschung betreiben sowie Maßnahmen einleiten und gegensteuern“, meint Krawczyk. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. Allein 2010 wurden vom Zeppelin Öllabor rund 100 000 Ölproben analysiert – ein neuer Rekord. Viele Kunden verlassen sich inzwischen auf die Diagnosen des Öllabors und können so proaktiv einen drohenden Maschinenausfall umgehen. Darum geht es auch dem Geschäftsführer der Rohstoffgesellschaft Ponholz. Das Unternehmen will sich einfach auf die neue Cat Flotte rund um die Uhr verlassen können. Er hat volles Vertrauen.

Fotos: Zeppelin