Zeppelin startet erstes Pilotprojekt mit rumänischen Berufsschulabsolventen in der Niederlassung Böblingen
26.2.2026
BÖBLINGEN (SR)
Tausend Servicetechniker bis 2030: Dieses Ziel hat sich die Zeppelin Baumaschinen GmbH gesetzt. Die Anforderungen im Service für Baumaschinen steigen stetig, und in den kommenden Jahren scheiden zahlreiche erfahrene Fachkräfte aus dem Berufsleben aus. Derzeit betreuen 825 Mitarbeiter einen Bestand von mehr als 60 000 Cat Baumaschinen im Markt. Zwar ist für Nachwuchs gesorgt: 225 Auszubildende absolvieren eine Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker. „Trotzdem reicht es aktuell nicht aus, selbst wenn wir die ganze Klaviatur des Recruitings bespielen und auch Kollegen intern weiterentwickeln“, beschreibt Philip Wolters, verantwortlicher Geschäftsführer für den Bereich Personal, die Situation. Um zusätzliche Fachkräfte zu gewinnen, hat das Unternehmen nun mit einem Pilotprojekt erstmals einen neuen Weg eingeschlagen und ein grenzüberschreitendes Bewerbungsseminar realisiert. Daran nahmen sieben Berufsschulabsolventen der LTSA – Liceul Tehnologic de Științe Aplicate, dem Technologischen Gymnasium für Angewandte Wissenschaften – aus dem rumänischen Arad teil. Das Projekt entstand im Rahmen der von Eucontact entwickelten Matching-Strategie und wurde durch das EU-Programm Erasmus+ flankierend gefördert.
„Wir haben uns mehrere Möglichkeiten überlegt, wie wir Personal auch außerhalb Deutschlands für uns gewinnen können. Die Bundesregierung propagiert laufend, dass man auch in Drittländern, etwa in Afrika, Mitarbeiter rekrutieren könne. Allerdings sind die bürokratischen Hürden viel zu hoch. Anders ist es auf dem europäischen Arbeitsmarkt. Hier kommen uns die Arbeitnehmerfreizügigkeit sowie die Anerkennung der in Europa erworbenen Ausbildungsabschlüsse entgegen. So ist es durch Eucontact gelungen, eine Berufsschule in Arad einzubinden“, berichtet Philip Wolters. Mit Standorten in Österreich, Tschechien, der Slowakei, den Niederlanden, Dänemark, Schweden und Norwegen versteht sich Zeppelin ohnehin als europäischer Arbeitgeber.
Eucontact, ein nicht kommerzielles Bildungsunternehmen aus Irland, vernetzt Berufsschulen aus strukturschwachen Regionen des EU-Binnenmarkts mit Unternehmen aus strukturstarken EU-Regionen. Die Intention: Junge Nachwuchsfachkräfte mit einem frisch erworbenen schulischen und beruflichen Abschluss mit passenden Arbeitgebern zusammenzubringen. „Mit Erasmus+ haben junge Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, die Möglichkeit, eine lebensverändernde berufliche Chance in Europa beziehungsweise Deutschland“, sagt Rita Taran, bei Eucontact zuständig für EU-Fördermittelakquise und grenzüberschreitendes Talentmanagement. Ihr Kollege Michael Zehner, zuständig für Strategie- und Projektentwicklung, ergänzt: „Damit entsteht eine Win-win-Situation zwischen strukturstarken EU-Regionen mit Nachwuchsfachkräftemangel und strukturschwachen EU-Regionen mit segmentierter Jugendarbeitslosigkeit und fehlenden beruflichen Perspektiven.“
Sieben Berufsschüler, die im Sommer 2026 ihre technische Ausbildung abschließen, wurden aus Arad eingeladen, zwei Wochen lang bei Zeppelin in der Werkstatt am Standort Böblingen mitzuarbeiten. Weitere Stationen waren die Schlosserei, die Schlauchfertigung und die Lackierhalle. Dort konnten sie, betreut von Eucontact, den Zeppelin Kollegen nicht nur über die Schulter schauen, sondern selbst entsprechend ihrer Ausbildung tatkräftig mit anpacken. Begleitet wurden sie von einem Berufsschullehrer. „Es gab einen Durchlaufplan, und jedem der Schüler war ein Techniker von Zeppelin zugeordnet, um sie zu unterstützen. Jede Station stellte andere Anforderungen an das Know-how und Können, das sie unter Beweis stellen konnten. Uns war es wichtig, dass sie wirklich mitmachen konnten und wir ihnen wiederum praktische Kenntnisse vermittelt haben, die sie mit nach Hause nehmen können“, so Patrick Jedrzejczak, Teamleiter der Werkstatt bei Zeppelin. Das übergeordnete Ziel: Begeisterung für einen späteren Berufseinstieg bei Zeppelin zu wecken – und sich gleichzeitig als potenzieller Arbeitgeber zu empfehlen.
„Wir brauchen Mitarbeiter mit einer Leidenschaft für gelbes Eisen, weil es keine Nine-to-five-Jobs sind. Genau das macht es schwierig, Nachwuchs zu finden. Wir müssen ran, weil eine Maschine auch schon mal am Wochenende steht – deswegen darf aber keine Autobahn oder ein Bahngleis blockiert werden, sondern wir sorgen mit einer Reparatur dafür, dass alles läuft“, meint Holger Winter, Leiter des Servicezentrums Baden-Württemberg und als solcher auch verantwortlich für den Service am Standort Böblingen. 40 Monteure und vier Meister sind draußen im Feld täglich für Kunden unterwegs. „Das ist eine Seltenheit in der Branche“, unterstreicht er. Auch technisch entwickelt sich der Service weiter. Zeppelin setzt inzwischen auf Remote-Techniker, die vom Büro aus die Cat Baumaschinen anhand von Fehlercodes analysieren. Sie weisen proaktiv auf einen möglichen Schaden oder Ausfall hin, indem sie Kontakt mit dem Kunden aufnehmen und den Austausch eines Ersatzteils nahelegen, ohne vorab selbst direkt an der Baumaschine zu schrauben. Damit solche modernen Servicekonzepte funktionieren, braucht es optimal ausgebildete Fachkräfte. Genau hier setzt das Ausbildungsmodell von Zeppelin an.
„Unsere deutschen Azubis im gewerblichen Bereich erhalten eine duale Ausbildung: In der Berufsschule werden ihnen die theoretischen Grundlagen vermittelt. Die praktische Ausbildung erhalten sie dann in der Werkstatt. In Europa ist das Modell dieser dualen Ausbildung weitestgehend unbekannt, da gerade in den strukturschwachen EU-Regionen die entsprechenden Arbeitsplätze und Unternehmen nicht vorhanden sind. Dort erfolgt die Ausbildung nach der schulischen Grundausbildung in einem technischen Fachbereich zum Wunschausbildungsberuf. Das heißt: Die Berufsschüler sind nicht an einen Ausbildungsbetrieb gebunden, sondern bemühen sich um einen Arbeitgeber – soweit überhaupt vorhanden – erst nach dem Ausbildungsabschluss. Berufsschulen in strukturschwachen EU-Regionen wiederum suchen – oft erfolglos – nach Unternehmen in der Region, welche die für die berufliche Ausbildung erforderlichen technischen Fähigkeiten, zumindest in kurzen Praktika, praktisch vermitteln können. Das sehen wir als Chance, die wir nutzen wollen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für uns zu gewinnen, wenn wir schon während der laufenden Ausbildung grenzübergreifend erstmals in Kontakt treten. So wie es mit den Berufsschulabsolventen aus Rumänien möglich wurde“, erklärt Philip Wolters. Attraktiv war für ihn auch, dass die Berufsschule für das von Eucontact koordinierte und realisierte Matching-Pilotprojekt europäische Fördermittel nutzen konnte – Reisekosten, Kosten der Unterbringung, Verpflegung sowie eine Praktikumsvergütung wurden von der EU getragen.
Dennoch galt es auch sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden. „Dass die Arbeiten im Service an den Baumaschinen sicher ausgeführt werden, hat große Bedeutung. Es war immens wichtig, auf kommunikativer Ebene gut zusammenzuarbeiten“, stellt der Zeppelin Geschäftsführer klar. Eucontact stellte die inhaltliche und interkulturelle Vorbereitung und Betreuung einschließlich der Evaluierung der Teilnehmer sicher. Auch bei der Übersetzung gab es Unterstützung. So war gewährleistet, dass wesentliche fachliche wie auch interkulturelle Besonderheiten an die Teilnehmer weitergegeben wurden. Hinzu kommt der Aspekt der Integration. „Unsere Niederlassung in Böblingen ist ein Musterbeispiel dafür: In der Werkstatt, im Außendienst und in der Spezialisierung haben wir insgesamt Mitarbeitende aus elf Nationen beschäftigt. Sie sind alle aufgeschlossen, und der Standort hat sich sofort bereit erklärt, sich auf dieses Projekt einzulassen, das einen Mehraufwand zum Tagesgeschäft bedeutete. Schließlich müssen die Praktikanten in den laufenden Betrieb integriert werden“, so Philip Wolters weiter. Für eine positive Erfahrung an einem Arbeitsplatz fernab der Heimat sorgten zudem gemeinsame Aktivitäten nach Feierabend wie Bowling und Fußballspielen, um sich besser kennenzulernen.
„Für uns ist das Projekt sehr positiv verlaufen. Drei der jungen Männer haben wir bereits eine Zusage für eine Stelle als Servicekraft gegeben“, zieht Holger Winter sein Fazit. Somit ist Zeppelin dem Ziel, tausend Servicetechniker bis 2030 zu beschäftigen, einen kleinen Schritt nähergekommen.
Gemeinsam schlagen sie bei Zeppelin einen neuen Weg in der Fachkräftegewinnung ein (von links) Teodor Cornea, Berufsschullehrer der Liceul Tehnologic de Științe Aplicate (LTSA), Holger Winter, Zeppelin Leiter Servicezentrum Baden-Württemberg, Philip Wolters, verantwortlicher Geschäftsführer für den Bereich Personal bei Zeppelin Baumaschinen, Daniel Oproiu, Berufsschulabsolvent der LTSA, Patrick Jedrzejczak, Zeppelin Teamleiter der Werkstatt in Böblingen, Bogdan Szasz, Berufsschulabsolvent der LTSA, Josua Oltean, Berufsschulabsolvent der LTSA, Rita Taran, EU-Fördermittelakquise und grenzüberschreitendes Talentmanagement von Eucontact, Michael Zehner, Strategie- und Projektentwicklung von Eucontact, und Ilka Kallin, Zeppelin Bereichsleiterin Marketing und Konzernkommunikation.
Sie absolvierten mit vier weiteren Berufsschulabsolventen der Liceul Tehnologic de Științe Aplicate (LTSA) aus dem rumänischen Arad ein zweiwöchiges Betriebspraktikum in der Werkstatt der Zeppelin Niederlassung Böblingen: Daniel Oproiu (links), Bogdan Szasz (rechts hinten) und Josua Oltean (rechts vorne). Fotos: Zeppelin
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