Vom Art-Bagger zum Arbeitsgerät

Bauunternehmen Vollmer lässt mit Jubiläumsbagger die 90er aufleben

20.8.2026

STEINHAGEN (SR)

Zauberwürfel, Nokia-Handy, MTV-Logo, Super Mario, Snake oder Ninja Turtle: Sie prägten die Popkultur der 90er-Jahre. Diese Motive und noch viele mehr hat der Graffiti- und Art-Car-Künstler René Turrek im Farbspektrum der damaligen Zeit auf einem Cat Mobilbagger M322 für das Bauunternehmen Vollmer zum 90-jährigen Bestehen verewigt. Das Jubiläum liefert die Grundlage für die visuelle Zeitreise auf der Baumaschine, die damit zum Art-Bagger wurde.

Normalerweise sind Sportwagen seine Oberfläche, doch diesmal war der Oberwagen des Mobilbaggers die Leinwand für René Turrek. Die Baumaschine gehört zum Fuhrpark des Bauunternehmens Vollmer. Geschäftsführender Gesellschafter Mark Metzger wollte das Jubiläum nicht nur mit einer 90er-Jahre-Sommer-Beachparty feiern, sondern es sollte eine bleibende Erinnerung an den Meilenstein der Firmengeschichte auf den Baustellen sichtbar bleiben. Da kam es ihm gelegen, dass Gerald Weisser, Vertriebsleiter von Höcker Polytechnik, ein neues Objekt für René Turrek suchte, der mal „was richtig Großes“ zu einem Kunstwerk gestalten wollte. Höcker Polytechnik baut Lackier- sowie Absauganlagen und hat den Künstler schon öfter im Zuge des Influencer-Marketings unterstützt, damit er einen Porsche oder BMW veredeln konnte. „Ich kenne nur einen, der seine Baumaschinen pfleglich behandelt und der infrage kam“, so Gerald Weisser, der dem Bauunternehmer den Vorschlag unterbreitete, aus dem Arbeitsgerät einen Art-Bagger zu machen. Da das Bauunternehmen zu diesem Zeitpunkt bereits bei der Zeppelin Niederlassung Paderborn einen neuen Cat M322 bestellt hatte, passte alles zusammen.

Doch wo lackiert man einen 28-Tonnen-Bagger, wenn dafür eine staubfreie Umgebung nötig ist? Wilhelm Wellmeyer Fahrzeugbau bot dafür eine befahrbare Retrofit-Kabine von Höcker Polytechnik an, in der sonst Lkw ihren letzten Schliff erhalten. „Wir bauen viele industrielle Lackierkabinen. Diese war aufgrund der Spurweite und Größe geeignet, weil der Bagger reinfahren konnte, auch wenn es Zentimeterarbeit war. Außerdem konnte sie sein Gewicht aufnehmen“, so Gerald Weisser. Über Gitterroste wird ein gerichteter Luftstrom erzeugt. Die Luft wird von außen angesaugt, durch Feinfilter gereinigt und auf die gewünschte Temperatur erwärmt. Anschließend wird die konditionierte Luft im Deckenbereich eingeblasen, um einen laminaren, vertikalen Luftstrom für optimale Absaugbedingungen zu erzeugen.

Nachdem das Schleifen und Abkleben beendet war, wurden die Motive mit einem umweltfreundlichen und lösemittelarmen Lack per Spraydose aufgebracht und dann mit einer Klarlackversiegelung versehen. Der Prozess ist auf dem Instagram-Kanal des Art-Car-Künstlers dokumentiert. Dort zeigt er auch einzelne Schritte der Umsetzung, die mehrere hundert Stunden in Anspruch nahmen, und erklärt: „Ich gehe da ohne großen Plan ran. Erst durch die gefüllten Flächen wird mir bewusst, wie das Artwork aussehen wird“, so René Turrek, der bei diesem Vorhaben komplett freie Hand hatte.

„Er hatte mein volles Vertrauen. Einzige Vorgabe: Es musste mit den 90er-Jahren zu tun haben. Es gibt zwar ein paar Videos auf dem Instagram-Kanal des Künstlers, in denen er kleine Einblicke in den Entstehungsprozess gab. Doch ich wusste bis zu unserer 90er-Jahre-Sommer-Beachparty nicht, wie der Bagger aussieht. Die Enthüllung war eine riesige Überraschung. Als ich die Folie entfernte und das Design zum Vorschein kam, war ich sofort begeistert“, sagt Mark Metzger über den Moment, über den René Turrek auf seinem Instagram-Account postete: „Allein dafür lohnt es sich, Künstler zu sein.“ Er wollte mit dem Kunstwerk positive Erlebnisse auf die Baustelle bringen. „Vielleicht weckt der Bagger auch das Interesse junger Leute für einen Job am Bau. Es ist bekannt, dass die Branche ein Nachwuchsproblem hat und es immer schwieriger wird, Personal zu finden“, so Mark Metzger.

Die Reaktion der rund 300 Gäste der Jubiläumsparty sprach für sich: Der Art-Bagger avancierte schnell zum beliebten Selfie-Motiv. Auch die Online-Community reagierte mit begeisterten Kommentaren wie „Bagger des Jahres“, „Kunst macht die Welt schöner“ oder „viel zu schade zum Arbeiten“. René Turrek sieht es gelassen: „Es ist gut, wenn mit Kunst gearbeitet wird, dann sieht sie wenigstens jeder.“ Denn auch wenn der Bagger zugleich Kunstobjekt ist, bleibt er ein Arbeitsgerät, das auf Kanalbaustellen und im Straßenbau eingesetzt wird. Noch steht nicht fest, wem die Ehre gebührt, auf dem Sitz des kunstvoll gestalteten Baggers Platz zu nehmen. „Natürlich setzt es den ersten Fahrer auch unter einen gewissen Druck, wenn er erstmals damit eine Havarie verursacht und das Kunstwerk einen Schaden nimmt. Doch der Künstler hat angeboten, dass er sich die Baumaschine nach einem Jahr anschaut und eventuelle Schäden ausbessert“, meint Mark Metzger. Somit kann sich der Art-Bagger weiterentwickeln.


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Bild 1: Viele Motive aus den 90er-Jahren hat Graffiti- und Art-Car-Künstler René Turrek auf dem Bagger verewigt. Foto: Zeppelin

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Bild 2: In einer Lackierkabine von Höcker Polytechnik wird aus dem Arbeitsgerät ein Kunstwerk. Foto: Höcker Polytechnik

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Bild 3: Der Art-Bagger wird von Mark Metzger enthüllt. Foto: Höcker Polytechnik

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Bild 4: Die Zeppelin Niederlassung Paderborn hat sich zu einem langjährigen Partner entwickelt. Den Jubiläumsbagger überreichte Niederlassungsleiter Christian Kutscha an Mark Metzger (rechts). Foto: Zeppelin

Kontakt

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