Maschinenpark folgt eigenen Regeln

23.11.2018

Paradiesfabrik will Berlin grüner machen und Lebensräume schaffen

Berlin (SR) 

Sie schafft Paradiese: Kathrin Diana Hennrich. „Ich lebe zu Hause wie im Paradies und will das auch an andere Menschen weitergeben“. Gesagt, getan. Seit über 30 Jahren ist die grüne Branche ihr Betätigungsfeld, aber irgendwann wollte Kathrin Diana Hennrich selbst kreativ mehr gestalten. Aus diesem Antrieb heraus gründete sie ihren eigenen Galabaubetrieb in Berlin und machte sich mit über 40 Jahren selbstständig.

Inzwischen führt sie ihre eigene Firma, der sie den Namen Paradiesfabrik gab. Ihr Ansporn: Deutschlands Hauptstadt soll grüner werden. Das ist nicht als politische Anspielung zu verstehen, sondern sie will den Betonwüsten wie am Alexanderplatz grüne Lebensräume für die Bevölkerung im hektischen Großstadtdschungel entgegensetzen. „Ich will hier noch viel Grün hinterlassen“, hat sie sich vorgenommen.

Als es um die Gestaltung des Firmenbriefpapieres ging, hat die Unternehmerin ihren Assoziationen freien Lauf gelassen. Alles, was sie mit einem Gartenparadies verknüpft, findet sich auf dem Briefbogen wieder. „Jeder verbindet etwas Anderes mit einem Paradies. Ich möchte zu Lebzeiten viele kleine Paradiese erschaffen, in denen sich Menschen wohlfühlen, ankommen, ausruhen, abtauchen, Energie spüren, wo Liebe und Romantik einen Raum haben, in dem Kreativität wachsen darf und wo alle Sinne genährt werden“, so lautet die Definition von Kathrin Diana Hennrichs Paradiesfabrik.

Ihre Inspirationen holt sie sich etwa, wenn sie durch die Stadt läuft. „Dann sehe ich, was mir gefällt oder was eben nicht, wie der Alexanderplatz. Wie würde er wohl aussehen mit Grünanlagen?“, hat sie sich schon gefragt. Ihre Ideen sprudeln nur so aus ihr heraus: „Ich habe zum Beispiel ganz genau im Kopf, wie die Pflanzen angeordnet werden müssen.“ Doch hat die Kreativität auch irgendwann Grenzen. „Trotz all der Pläne müssen wir als Unternehmen natürlich wirtschaftlich handeln. Da werde ich zum Glück von meinem Team auch immer wieder eingenordet“, so die Unternehmerin.

Einer ihrer 20 Mitarbeiter ist Betriebsleiter Friederich Schönherr, der mit ihr dann diskutiert, was machbar ist. „Wir haben eine ganz andere Herangehensweise. Während mein Betriebsleiter analytisch unterwegs ist, bin ich die Kreative. Gemeinsam finden wir immer einen Weg, wie wir die Ideen umsetzen können – auch wenn es mal in einem Kompromiss endet.“ In ihren Aufgabenbereich fällt die Kundenakquise und Auftragsbearbeitung, aber sie packt, falls nötig, auch auf der Baustelle mit an. Ihr Schreibtisch steht mitten in einem Großraumbüro. „Ich bin für alle ansprechbar. Wir haben eine eigene Kultur, wie wir mit Mitarbeitern umgehen“, macht die Firmenchefin klar. Ihr sei Wertschätzung sehr wichtig – genauso aber auch Teamgeist. „Wir sind wie eine Familie hier.“ Nach Feierabend setzt sich das Team aus eigenem Antrieb heraus noch einmal zusammen – einen eigenen Grillplatz hat die Belegschaft auf dem Betriebsgelände als Treffpunkt angelegt. „Die Mitarbeiter können in ungezwungener Atmosphäre auch mal über das reden, was ihnen am Herzen liegt. Wir haben immer ein offenes Ohr.“

Weil der Berliner Wohnungsmarkt heiß umkämpft ist, hat Kathrin Diana Hennrich Mitarbeiterwohnungen geschaffen. Um die Teambildung zu fördern, nahmen in diesem Sommer alle an einem Glücksseminar teil – regelmäßige Weiterbildungen sind an der Tagesordnung. „Wir nehmen nur die Arbeiten an, bei denen auch die Fachkompetenz zum Tragen kommt. Ich bin mir dabei durchaus bewusst, was die Mitarbeiter hier alles leisten müssen und welche Werte sie schaffen“, macht sie klar. Deswegen gibt es für alle eine komplette Vollausstattung – von Kopf bis Fuß – als Zeichen der Wertschätzung. Aber genauso muss der Eindruck stimmen, den der Betrieb nach außen hinterlässt. Das drückt sich nicht nur in einem einheitlichen Outfit aus, sondern auch im professionellen Umgang mit den Kunden, die einen kompetenten Ansprechpartner auf den Baustellen und im Büro erwarten.

Selbst das Corporate Design im Maschinenpark folgt den eigenen Regeln des Unternehmens: Jüngstes Beispiel dafür ist ein neuer Cat Minibagger 301.7D, den die Zeppelin Niederlassung Berlin-Schenkendorf und ihr Gebietsverkaufsleiter David Friedrichs in einem ganz besonderen Design auslieferten. Statt der klassischen gelbschwarzen Lackierung hat Kathrin Diana Hennrich ihre eigenen Vorstellungen: Auf den weißen Flächen prangen rote Mohnblumen, und Schmetterlinge flattern auf dem Chassis der Baumaschine – entgegen der sonst stereotypischen Klischees vom harten Baustellenimage. „Das Design muss auffallen“, ist die Unternehmerin überzeugt. Trotzdem wird hier keine Idylle verklärt, denn der Minibagger dient dem Erdaushub. „Für uns ist die kompakte Maschine gut geeignet, wenn wir damit Privatgärten gestalten. Wir kommen so in jede Ecke. Außerdem können wir sie überall hin mitnehmen und müssen dann keine Spedition beauftragen“, so Kathrin Diana Hennrich.

Auch was die Aufträge betrifft, grenzt sich der Betrieb von anderen ab. Der Galabauer geht auch schon mal unkonventionelle Wege, fernab der klassischen Gartengestaltung für Privatkunden und Wohnungsbaugenossenschaften, Wohnungs- oder Hausverwaltungen, die das eigentliche Kerngeschäft bilden: So hat die Paradiesfabrik ein Bühnenbild für Shakespeares Sommernachtstraum im Amphitheater im Monbijoupark arrangiert. Mit dem gleichen Ensemble entwickelte Kathrin Diana Hennrich die Idee, ein Theater in einem viktorianisch anmutenden Gewächshaus zu inszenieren und war maßgeblich am Entwurf und der Umsetzung der Spielstätte beteiligt. Für viele Jahre war die Paradiesfabrik für die Modemesse Bread & Butter auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin tätig, wenn es um die Außenbegrünung ging, ein Zen-Garten angelegt werden sollte oder etwa ein temporärer grüner Laufsteg für die Models gestaltet werden musste. Aber selbst an Standorten außerhalb der Bundeshauptstadt hat die Paradiesfabrik schon ihre Spuren hinterlassen. In München zum Beispiel, als die Pinakothek der Moderne wegen Sanierungsarbeiten schließen musste, sollte ein Pavillon temporär Ausstellungen, Auf- und Filmvorführungen sowie andere Projekte zeigen. Die Paradiesfabrik führte in enger Zusammenarbeit mit Zeppelin die aufwendigen Gründungsarbeiten durch. Und auch in Hamburg, Schwerin und Frankfurt am Main vertraute man schon der Gestaltungs- und Umsetzungskompetenz von Kathrin Diana Hennrich.

Dass auch Kinder in einer Großstadt wie Berlin schon von früh an mit der Natur aufwachsen, ist Kathrin Diana Hennrich ein Anliegen. „Wir sponsern Kindergärten und machen auch viel für ältere Menschen, denen das Geld für einen Garten oder Pflanzen fehlt. In diesem Sommer, als es so trocken war, haben unsere Mitarbeiter die Bäume der Stadt mit Wasser versorgt und das, ohne dass wir einen Auftrag dafür hatten.“ Denn Berlin braucht viele Pflanzen und Bäume, wenn es nach der Paradiesfabrik geht.

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Rote Mohnblumen und Schmetterlinge prangen auf dem Chassis der Baumaschine.