Hundert-Tonner mit Tradition

02.04.2019

Schwenk nimmt am Standort Karlstadt Cat Radlader 992K in Betrieb

KARLSTADT (SR) 

Die kommende bauma lockte mit ihrer schieren Größe, nicht nur was die Ausstellungsfläche der Messe München mit ihren über 600 000 Quadratmetern betrifft, sondern auch wegen der präsentierten Giganten, die den Besuchern vom 8. bis 14. April vorgestellt wurden. In der Halle B6 am Stand von Caterpillar und Zeppelin konnten Schwergewichte wie ein Cat Radlader 992K im Ladespiel mit einem neuen Cat Muldenkipper 777G aufgrund ihrer Dimensionen die Besucher wieder in ihren Bann ziehen. Ein solches Ladegerät mit einer 12,5-Kubikmeter-Schaufel, bestückt mit Sägezahnmesser, nahm kürzlich die Unternehmensgruppe Schwenk am Standort Karlstadt, 30 Kilometer nördlich von Würzburg, von Zeppelin und ihrer Niederlassung Ulm in Betrieb.

 

„Schwenk und Zeppelin pflegen ein partnerschaftliches Miteinander in ihrer langjährigen Zusammenarbeit. So geht jeder Investition ein intensiver Austausch voraus. Auch wenn der Radlader viele Stärken hat, müssen wir uns jedes Mal aufs Neue bewähren. Wir sind immer offen für Anregungen, was wir noch verbessern können“, forderte Fred Cordes, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Zeppelin Baumaschinen, Dietmar Meul vom Zentraleinkauf bei Schwenk, Wolfgang Schwörer, stellvertretender Werksleiter in Karlstadt, und Gottfried Geist, Steinbruchleiter, bei der Übergabe auf.

Radlader in der Hundert-Tonnen-Klasse haben in Karlstadt eine lange Tradition. Caterpillar führte das Modell 992 vor über 50 Jahren ein – bei Schwenk wird eine solche Baumaschine seit 1986 am Standort eingesetzt. Auch andere Abbaustätten in der Firmengruppe arbeiten damit. Der 992 hat sich als passende Größe für den Einsatzzweck erwiesen, heißt es seitens des Unternehmens. Darum greift Karlstadt für das Laden von gesprengtem Kalkgestein auf einen weiteren Vertreter in der Hundert-Tonnen-Klasse zurück. Ein Radlader eine Nummer kleiner ist dort in Form des Cat 990 ebenfalls präsent. Ausgestattet wurde die neue Baumaschine mit Michelin-X-Mine-Bereifung und Stegketten, was zu einer höheren Bodenhaftung und Griffigkeit beitragen soll. Ketten verhindern Radschlupf beim Füllen der Schaufel. Wenn tagein, tagaus kantiges Kalkgestein mit dem Reifengummi in Berührung kommt, bleibt Verschleiß am Reifenprofil nicht aus. Ketten schützen daher den Reifen zusätzlich sowohl auf der Lauffläche als auch an den Flanken vor Beschädigungen.

Arbeits- und Gesundheitsschutz haben innerhalb der Unternehmensgruppe einen großen Stellenwert. Das lässt sich auch an der Ausstattung der neuen Baumaschine ablesen. Rückfahrkamera und zusätzliche LED-Beleuchtung wie am Cat 992K sind längst unverzichtbar geworden und haben eine elementare Bedeutung erlangt. Darüber hinaus wird auf Ergonomie geachtet. So sind Bedienelemente leicht erreichbar. Auch sollen die Baumaschinen wie der neue Radlader standsicher sein, wenn sie das Kalkgestein umschlagen. Eine komfortabel gestaltete Kabine sorgt schließlich dafür, dass der Fahrer der Baumaschine über eine längere Zeit und ohne Beeinträchtigung seiner Gesundheit Leistung bringen kann.

Denn inzwischen klagen immer mehr Arbeitnehmer über gesundheitliche Beschwerden. Volkskrankheit Nummer eins sind Rückenschmerzen – bis zu 80 Prozent der Deutschen haben es mindestens einmal im Jahr im Kreuz. Krankheiten von Wirbelsäule und Bandscheiben verursachen jährlich im Schnitt rund 3,7 Millionen Krankschreibungen und 75 Millionen Tage Arbeitsunfähigkeit – so amtliche Erhebungen. Eine Berufsgruppe, die permanent Ganzkörperschwingungen oder -vibrationen ausgesetzt ist, sind die Fahrer von Baumaschinen. Während sie tagtäglich Massen bewegen, wirken auf ihren Körper Erschütterungen. In der Unternehmensgruppe Schwenk beispielsweise wird das Thema Ergonomie bei der Anschaffung neuer Arbeitsgeräte sehr ernst genommen. Fahrersitz ist daher nicht gleich Fahrersitz, sondern hier wird noch mal bewusst in einen solchen investiert – im Fall des Cat 992K war es ein Sitz von Grammer.

Fahrerschulungen stehen regelmäßig an allen Standorten der Firmengruppe auf der Tagesordnung. In Karlstadt wurde die Inbetriebnahme des Radladers genutzt, um das Wissen der zwölf in der Gewinnung tätigen Mitarbeiter aufzufrischen. Frank Kranich von der Zeppelin Projekt- und Einsatztechnik sensibilisierte das erfahrene Abbauteam dahingehend, was alles beim sicheren Umgang mit den Lade- und Transportgeräten zu beachten ist. Auf der Agenda standen auch eine spritsparende Fahrweise und ein effizienter Betrieb beim Laden von Muschelkalk. Das erfolgt auf allen sechs Sohlen, die jeden Tag zweimal angefahren werden, um eine ausgewogene Homogenisierung sicherzustellen. Die Sohlenhöhe beträgt zwölf bis 30 Meter. Die Mächtigkeit des Vorkommens macht 90 Meter aus. Vom Radlader wird eine Tagesleistung von 9 000 Tonnen erwartet. Vier Ladezyklen sind nötig, um Skw mit Einsatzgewichten von 90 Tonnen ausgewogen zu befüllen. Sie bringen dann den Rohstoff zum Brecher, wo er dann auf eine Kantenlänge von maximal 80 Millimeter weiterverarbeitet wird.

Anhand der chemischen Zusammensetzung des Natursteins, der im Brecher zerkleinert und dort sofort auf seine Bestandteile analysiert wird, entscheidet sich, an welchen Stellen und in welchen Mengen der Abbau erfolgen soll, um ein homogenes Mischungsverhältnis für Zement und dessen 25 verschiedene Produktgruppen zu erhalten. Somit wird flexibel auf die sich ständig wechselnden Anforderungen reagiert. Der Brecherdurchsatz beträgt 1 200 Tonnen in der Stunde – das sich anschließende Zementwerk braucht unentwegt Nachschub. Im Mischbett mit 80 Meter Durchmesser können 40 000 Tonnen zerkleinertes Gesteinsmaterial gelagert werden – es dient als Puffer für den Drehofen und reicht für eine Woche. Der homogenisierte Kalkstein wird mit einer Leistung von 500 Tonnen pro Stunde über die Mainbandbrücke zu den Rohmühlen im weiterverarbeitenden Werksbereich befördert. Die Ofenanlage, die am anderen Mainufer 1986 gebaut wurde, ist bis heute in Betrieb. Doch sie wurde in den letzten 20 Jahren immer wieder automatisiert und modernisiert.

2019 soll eine neue SCR-Anlage zur Abgasreinigung des Drehofens in Betrieb gehen. Die neue Katalysatortechnik soll ihren Beitrag zu den immer höheren Anforderungen der Umweltgesetzgebung leisten. So wie auch die Abbautechnik immer wieder modernisiert wird, wird auch die Produktion kontinuierlich auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Nicht umsonst gilt Karlstadt als eines der modernsten Werke in der Firmengruppe.

1887 gegründet, gehört es seit 1937 zu Schwenk und beschäftigt rund 140 Mitarbeiter. Einer von ihnen ist Manfred Bachmann – ihm wurde der Cat 992K als neues Arbeitsgerät zugewiesen. Seit 30 Jahren arbeitet er für Schwenk, 25 Jahre seines Arbeitslebens bewegt er Baumaschinen. Für den 992K hat er sich den Namen Dragon ausgedacht. Auch die anderen eingesetzten Baumaschinen am Standort sind keine anonymen Arbeitsgeräte, sondern haben von den Mitarbeitern Namen erhalten. Das schafft eine persönliche Bindung, aber dient vor allem einem funktionalen Zweck: der besseren Kommunikation untereinander – die Fahrer können sich leichter per Funk verständigen, wenn vom „Dragon“ die Rede ist. Sein Vorgänger hieß Cäsar, aber der ist bekanntlich Geschichte.

Bild 1: Schlüsselübergabe für das Schlüsselgerät von Schwenk am Standort Karlstadt.
Bild 2: Getauft hat der Fahrer Manfred Bachmann sein neues Arbeitsgerät auf den Namen Dragon.
Bild 3: Hebt die 12,5-Kubikmeter-Schaufel, bestückt mit Sägezahnmesser: der neue Cat 992K. Stegketten sorgen für eine höhere Bodenhaftung und Griffigkeit und verhindern Radschlupf beim Füllen der Schaufel.